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14
Mai
2007

7 Jahre und kein bisschen weise?

Mittlerweile sind seit dem Platzen der dotcom-Blase sieben Jahre ins Land gezogen - man erinnere sich an die zahlreichen Glücksritter, die sich während des dotcom-Booms spekulativ Wohlstand verschafften und in den meisten Fällen auch wieder schnell verloren.

Den meisten Investmentfonds musste klar sein, dass die gelisteten Unternehmen in Relation zur Bedeutung ihrer Produkte überbewertet waren; dennoch hatte die gesamte Entwicklung rund um die allzu enthusiastisch wahrgenommene New Economy eine unaufhaltsame Eigendynamik entwickelt. Rückblickend betrachtet kann man sich fragen, ob der Hype nicht ersichtlich war... konnte man denn nicht sehen, dass die gepushten Unternehmen nicht die Leistungen erbrachten, die ihrer Bewertung entsprachen?

Graph of the dotcom-bubble from wikipedia

Graph der Börsenentwicklung von NASDAQ-Unternehmen

Doch seien wir nicht allzu voreilig in der abschätzigen Beurteilung der Vergangenheit: Werfen wir einen Blick auf die derzeitige Situation rund um die unscharfen Wolkenbegriffe "Web 2.0" und "Social Networking", die zahlreichen Dienste mit ihrem Qualitätssiegel namens "Beta", ihren pastellgefärbten vollrunden Formen, den bunten Versprechungen eines kollaborativen Netzes, gewoben durch die Benutzerbasis, im Bewusstsein der absoluten Informationsvernetzung durch XML-Feeds und der abenteuerlichen Atmosphäre eines neuen, spannenden Webs.

Die AJAX-Tomaten sprießen derzeit dutzendweise aus und rund um Gewächshäuser wie Google, eigen ist ihnen dabei neben den absonderlichen Namen (wie Flickr oder Joost) die Kostenlosigkeit bzw. Werbefinanzierung. Einige üben sich auch als Datenaggregatoren und veräußern, wie im Falle StudiVZ geschehen, die persönlichen Informationen ihrer Kunden.
Die Anfangsinvestionen werden häufig von spezialisierten Investoren gedeckt. Die Frage ist, inwiefern dieses Modell langfristig kostendeckend arbeiten können wird. Nur wenige Menschen werden bereit sein, für nutzergenerierte Inhalte und Services, die sie lange Zeit kostenlos beziehen konnten zu bezahlen und es ist nur mehr eine Frage geringer Zeit, bis sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Werbung allein nicht zu den erhofften Einnahmen führt.

In einem heise online Artikel wurde unlängst angeführt, dass weniger als 2 von 1000 Anwendern noch auf Werbebanner klicken; die wohl einen großen Teil des Web 2.0 tragende technische Elite installiert ohnehin Software wie AdBlock und ignoriert Werbung damit geflissentlich. Googles AdWords dürften auch nicht die erhoffte Aufmerksamkeit erregen, sobald die selektive Wahrnehmung einsetzt - und was mit gekauften Nutzerdaten machen, wenn die Nutzer selbst zunehmend indifferent gegenüber feilgeboteten Waren und Dienstleistung werden?

Wie in dem heise-Artikel geschrieben, dürften sich damit viele Webportale ein neues Geschäftsmodell überlegen müssen - sofern dieses auf Bezahlung basiert - und irgendwo in der Verwertungskette muss im Endeffekt ja Geld umgesetzt werden - dürften viele der nun enthusiastisch mit Investorenhilfe und Finanzspritzen gestarteten Web 2.0-Dienste nicht mehr überlebensfähig sein.

Vermutlich werden wir eine abgeschwächte Form der dotcom-Blase erleben. Abgeschwächt darum, weil die Web 2.0 Unternehmen großteils nicht börsenorientiert agieren und meist auch mit einer sehr geringen Anzahl an Mitarbeitern auskommt.en
Tatsache ist aber, dass nach dem Kater die besten Unternehmen und Ideen übrig bleiben werden, wie es auch schon bei der dotcom-Blase der Fall war. Und das ist für den Endanwender eigentlich positiv: Denn einige Projekte des Web 2.0 sind ja tatsächlich wohl überlegt und fortschrittlich.

Ob es dann allerdings noch virtuelle Botschaften in Second-Life geben wird, ist eine andere Frage...

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