6
Jan
2009

Das BKA und der Schlüsseldienst

Bisher ist mir die Tatsache entgangen, dass in Deutschland der Soziologe Andrej Holm verhaftet wurde, weil er konspirativ tätig gewesen sein soll. Um aus der Sicht des BKA konspirativ tätig zu sein, braucht es nur drei einfache Zutaten:
  • Gebraucht ganz böse Worte wie: Gentrification, Prekarisierung, Globalisierung oder die Ur-Beschwörungsformel des Weltterrorismus: Ungleichheit
  • Arbeitet als Soziologe, Philosoph oder in irgendeinem anderen Forschungsgebiet, das von unseren Gesetzeshütern mit langhaarigen, linken Umsturzprotestlern assoziiert wird
  • Seid "intellektuell in der Lage, anspruchsvolle Texte zu schreiben"
Die Masse noch ein bisschen verrühren mit der Teilnahme an Demonstrationen, kritischen Kommentaren oder alternativem Auftreten und schon ist unser Terrorist fertiggebacken und muss nur noch ohne Anklage in Beugehaft geschmort werden.

Doch darum geht es eigentlich nicht, sondern mehr um die Kompetenz des BKA. Desselben BKA, das die deutschen Bundesbürger zu ihrem eigenen Schutz gerne einer Permanentüberwachung aussetzen würde. Da finden die emsigen Beamten Dateien von Andrej Holm, die eventuell das Wort Prekarisierung, Gentrification oder ähnlich böse Dinge enthalten könnten. Blöd nur, dass die Dateien mit GnuPG verschlüsselt sind.

Jetzt hat das BKA das unglaubliche Glück, auch noch den Private Key in die Hände zu kriegen. Aber was haben die pösen Terroristen da gemacht? Man braucht ja glatt auch noch ein Passwort! Na schau her, wenn das schon mal kein Schuldbeweis ist, denn wer nichts zu verbergen hat... aber wegen diesen dummen liberalen Richtern und dieser antiquierten Unschuldsvermutung muss der Verdächtige das Passwort blöderweise nicht herausgeben.

Woher kriegen die Beamten nun ein Passwort? Die Analogie zum Ochsen vor dem Tor drängt sich auf und was macht man, wenn man keine Ahnung hat? Richtig, man engagiert einen externen Berater, der gerade um so viel mehr Ahnung von der Materie hat, um glaubhaft machen zu können, er kenne sich aus. In dem Fall sind die kompetenten Techniker leider an einen Wirtschaftsinformatiker geraten, der wohl etwas mehr Bedeutung auf den ersten Teil seiner Berufsbezeichnung legt, als auf den zweiten.

Verlangt also einen unverschämten Haufen Geld für eine "Machbarkeitsstudie".

Liebes BKA: So fragwürdig eure Methoden auch sind - erspart zumindest dem deutschen Steuerzahler eine Menge Geld und konsultiert Wikpedia mal zu den folgenden Begriffen: Wörterbuchangriff und Brute-Force-Methode. Besser aber noch wäre, ihr würdet Personen nicht aufgrund von Indizien verhaften, sodass ich mich nicht fürchten muss, das nächste Mal ein Konspirateur zu sein, wenn ich mein Handy zu Hause vergesse. Vielen Dank!

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