27
Dez
2008

Das Jahr des Cloud Computing? Teil 3

Wozu der Spaß?

Unternehmen wollen den Regenwald nicht retten und Privatpersonen beruhigen ihr Gewissen gern mit einer Spende von 10 € oder so an Greenpeace vor oder nach Weihnachten. Dass also die ökologischen Gründe den Trend zum Cloud Computing kaum eingeleitet haben werden, ist eine logische Konsequenz unserer menschlichen Natur, die Nachdenken über die Zukunft meist so ungemütlich findet wie die Vorstellung, dass Geld vielleicht doch nicht ganz alleine schuftet.

Statt Grün führt also der Greenback zum Cloud-Computing und Firmen müssen ihre Produkte nicht greenwashen sondern bloß cloudwashen. Warum Cloud-Computing aber durchaus ökonomischen Sinn ergeben kann, erklären diese Videos (die man leider nicht doch einbetten kann) sehr gut:


Cloud Computing in Plain English 1


Cloud Computing in Plain English 2

Effizienz oder Freiheit?

Somit entspricht die Infrastruktur-Variante von Cloud Computing eigentlich einer Fokussierung auf die Kernkompetenzen eines Unternehmens und der Auslagerung des Rests. Liebhaber freier Software dürfen darin zwei Konsequenzen sehen: Die gute ist, dass Linux aufgrund des liberalen Lizenzmodells und der starken Verankerung in Virtualisierungstechniken (Xen, VServer) und im Serverbereich das prädestinierte Betriebssystem für Cloud-Infrastruktur ist. Mehr Cloud-Computing bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit also eine höhere Verbreitung von Linux. Die zweite Konsequenz, ich will sie euphemistisch "die andere" nennen, ist dass damit Adam Smiths Konzept von der Arbeitsteilung auch die Web-Welt erfasst hat. Und der sinistre Zwillingsbruder des Arbeitsteilungskindes Effizienz ist leider auch Abhängigkeit. Nicht umsonst sieht OSS-Aktivist Richard Stallman Cloud-Computing eher als Giftwolke.

Taxirechnungen

Da Cloud-Computing derzeit am Zenit des Hype-Horizonts steht, erfordert es viel Zähigkeit um negative Aussagen dazu zu ergoogeln. Auch die Kristallkugelschauer Marktforschungsunternehmen überschlagen sich in Jubelmeldungen über die Kosteneffizienz der tollen neuen Wolke 7. Cloud Computing ist sicher großartig für Startups, die sich anfänglich keine Server-Infrastruktur leisten können und schnell skalierbare Ressourcen verfügbar machen wollen - allerdings ist auch eine Fahrt mit dem Taxi billiger als einen Neuwagen zu kaufen, wenn man es nur ein paar Mal macht. Es hat aber wohl einen Grund, dass nur Donald Trump und Taxifahrer selbst das ganze Leben lang mit dem Taxi fahren.

Aussicht

Das Mieten von Cloud Infrastrukturen ist zwar recht günstig bepreist, aber erst wenn Nutzer die rosa Hype-Brille nur mehr für den nächsten Trend aufsetzen und Cloud Computing realistischer sehen, kann man die tatsächliche Kosteneffizienz abschätzen. Da wird dann auch klar werden, dass die "gratis" angebotenen Online-Software-Services doch kein Free Lunch waren.

Bis dahin wird man den Begriffsschwamm "Cloud-Computing" auch zu einer klaren Definition zusammenpressen müssen, weil damit ja derzeit so ziemlich alles vom Hosting-Dienst über Online-Speicher bis zur Webmail-Oberfläche bezeichnet wird. Wie in allen Hype-Techniken findet sich auch in der Wolke reichlich Zukunftspotential, wenn schon nicht jener Erlöser, den die Vulgärpositivisten darauf projizieren.

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http://keinspass.twoday.net/stories/5410885/modTrackback

wvs - 30. Dez, 02:07

Gerade wegen ....

des Zusammenbruchs/Platzens der Computer-business-Blase 2000/2001 und den überschätzten (da nicht so wachsend wie vorhergesagten) Auswirkungen von Web 2.0 bin ich eher skeptisch.

Wo etwas 'virtuell' aufgebaut wird gibt es - das sahen wir ja gerade in 2008! - auch immer Jemanden, der ein Interesse daran hat dieser Informationen habhaft zu werden ....

Ein weitere Aspekt ist bestimmt die Abhängigkeit von externer Kapazität: Was ein Unternehmen im Hause hat steht (meist) auch zur Verfügung - das ist mit den 'Wölkchen' nicht gewährleistet ....

Zuletzt noch die Frage der Kosten: Was 'günstig' beim Einstieg ist muß nicht 'günstig' bleiben, dafür gibt es in jeder Branche Beispiele. Sich erst das 'Billig-Label' anheften und dann langsam die Preise anziehen - da ist die Konkurrenz schon weitgehend platt (siehe Elektronikmärkte und Einzelhandel Rundfunk/Fernsehen) ....

Ich prophezeie einen FLOP

*edit*
Die Preise könnten auch ohne 'cloud' sinken, wenn sich mehr 'user' entschlössen weg von MICROSOFT hin zu LINUX-Anwendungen zu gehen - das wird z.B. von vielen Universitäten mittlerweile genau aus diesen Gründen gemacht .... die sogenannten 'Peripherie-Anwendungen' würden bestimmt schneller Linux als Basis nutzen wenn das auf breiter Ebene im Einsatz wäre ....

bellerophon - 2. Jan, 12:02

Ich glaube, unter gewissen Umständen macht Cloud Computing ökonomisch schon Sinn. Wenn ich als Unternehmen kurzzeitig viel Rechenleistung und Speicherplatz brauche, ist es günstiger, die Infrastruktur anzumieten. Zum Beispiel hat die New York Times auf Amazon EC2 ihre Artikel über OCR digitalisiert - ein großer Einmalaufwand, bei dem es unsinnig wäre, entsprechende Hardware anzuschaffen.

Fast alles was groß gehyped war, hat einen rationell begründbaren Platz gefunden - siehe Voice over IP, Wikis, Web 2.0, AJAX usw. - aber eben nur diesen Platz und nicht die Verwendung als Allheilmittel, die prognostiziert war. Insofern glaube ich schon, dass Cloud Computing sinnvoll ist, aber nur unter klar begrenzten Bedingungen und nicht als Universallösung.
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