16
Feb
2008

Klimaschutz: Einzelhandel oder einzeln handeln?

Bisher dachte ich, dass die Flutwelle scheinheilig-moralistischer Fernsehformate und Zeitschriftenartikel höchst unterschiedlicher wissenschaftlicher Sachkundigkeit, die zum Energiesparen zwecks Klimaschutz aufrufen, zumindest den Zweck der Bewusstseinsbildung erfüllen, wenn schon keinen anderen.

Nachdem ich in diesem mediengetriebenen Spiel ja kein Sandkorn im Getriebe sein will und die Ziele durchaus gut finde, bin auch ich auf den Energiesparzug aufgesprungen. Durch den kollektiv zumindest zur Schau gestellten Eifer beflügelt, habe ich begonnen, dem durch Standbygeräte verursachten Stromfraß an den Pelz zu rücken; mäßig-energieeffiziente Glühbirnen durch Energiesparlampen zu ersetzen und – auch wegen dem damit entfallenen Glühen – ernsthaft über bessere Wärmedämmung nachzudenken.

Mein Energiespargewissen einigermaßen beruhigt, bewegte ich mich, zu Fuß wohlgemerkt, unlängst durch die Einkaufsstraßen unseres zierlichen Hauptstädtchens; da brachte mich ein Blick auf die Schaufenster aus meinem bis dahin enthusiastischen Trott – ausnahmsweise nicht nur die mutigen Preise sondern auch die Beleuchtung der Boutiquen, die flutlichtgleich die Straße großflächig bescheint. Zwar positiv, wenn man als Langschläfer auch abends noch einen Hauch von Sonne wahrzunehmen glaubt; weniger positiv allerdings vermutlich für die Energiebilanz. Z.B. verbrät das kleine Geschäftchen mit den 25 hellauf leuchtenden Halogenlampen so die ganze Nacht durchgehend locker 1 Kilowatt, einzig zum Nutzen sporadisch vorbei gehender Passanten und eventuell tierischer Bewohner.
Für noch extravaganter beleuchtete und animierte Konsumtempel werden Atomkraftwerke erst gebaut.

Ich beteilige mich zwar gern am Energiesparen, aber in Anbetracht der enormen Energieverschwendung durch den Einzelhandel und Bürogebäude (die nachts teilweise ganze Flugfelder mitbeleuchten) fragt man sich schon, ob das Ausschalten des Computers und anderer Geräte bei Nichtgebrauch überhaupt schon zum Tropfen für den heißen Stein reicht.

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13
Feb
2008

Kleinod gegen hanebüchene Schriftwerke

Tourniquets Huldigung rar gewordener Wörter, wie z.B. dem Backfisch, motiviert mich, einen Webservice vorzustellen, den auch ich oft verwende um mein begrenztes Vokabular weiter reichend scheinen zu lassen als es ist:
Das Wortschatz-Projekt findet zu deutschen Wörtern, die in die Suchmaske eingegeben werden, allerlei Synonyme und äußerst aufschlussreiche Beispiele aus den modernen Medien.

Fürwahr, ein gar hilfreich Wertstück neuzeitlicher Webgefilde.

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11
Feb
2008

Barack Obama for President

Warum sollte man sich als Europäer überhaupt eine Meinung zu den US-Präsidentschaftswahlen bilden?

Die Gestaltung der amerikanischen Politik beeinflusst die gesamte Weltpolitik, direkt und indirekt. Vor allem unter den vor nicht allzu langer Zeit noch vorherrschenden außenpolitischen Falken (Rumsfeld, Wolfowitz, Bolton...) dachte Amerika, es müsste sein lokal funktionierendes Konzept von freedom and democracy in die ganze Welt exportieren; eigentlich dieses Modell anderen Nationen aufzwingen. Dass dies nicht überall funktioniert und dass auch nicht jedes Land nach einer Marktwirtschaft amerikanischen Zuschnittes und dem american way of life dürstet, zeigen der Irak und Afghanistan.

Indirekt beeinflusst die amerikanische Poltik den Rest der Welt insofern, als dass sie Vorbildwirkung für viele Politiker kleinerer und aufstrebender Nationen hat, die das vermeintlich erfolgreiche amerikanische Modell nur zu gern kopieren.

Warum Obama und nicht Clinton?

Barack Obama (update: und laut maschi wohl auch dessen Frau) hat den Schwung und das Charisma um die Wahlen zu gewinnen (das wird auch von vielen Bloggern erwähnt, z.B. Tom Schaffer). Was meiner Meinung nach aber noch viel wichtiger ist: Hillary Clinton hat zwar Unterstützung an der demokratischen Basis und reichlich politische Erfahrung, Barack Obama zeichnet sich jedoch hat sich bisher einige Male im Wahlkampf durch Rückgrat und Konsequenz ausgezeichnet.
Clinton hatte im Senat dem Irakkrieg zugestimmt (Abstimmungsergebnisse), Obama war von Beginn an gegen den Krieg.
Obama ist einer der sehr wenigen Amerikaner, die sich auch dann noch für die sonst so hoch gepriesene Meinungsfreiheit aussprechen, wenn die öffentliche Meinung gegen sie ist. So ist dies z.B. geschehen beim Besuch des iranischen Präsidenten Ahmadinejad in den USA (CBS-Artikel).

Obama hat auch jene ehrliche Verbindung zum Umweltschutz, die ein Staatsoberhaupt der USA schon seit langem nötig hätte, um das globale Problem der wachstumsbedingten Treibhausemissionen und Luftverschmutzungen in einem Leitland der Erde einmal ernsthaft anzugehen.
Und das nicht erst seit seiner Präsidentschaftskandidatur!

Und, etwas das jenen gefallen wird, die amerikanischen Firmen die Hegemonie in der Internetverwaltung vorwerfen: Obama tritt für Netzneutralität und mehr Informationsfreiheit im Netz ein.

Genug Gründe um auf einen Sieg Obamas bei den noch anstehenden Vorwahlen und anschließend dem Präsidentschaftswahlkampf zu hoffen.

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4
Feb
2008

Entweder man macht die Dinge konsequent,

(klick mich)
Comic Strip von xkcd.com

oder man lässt es bleiben.
Das heißt, man setzt die Naturkonstanten entsprechend der später erwünschten Programmcodes in Bits (und lässt daraus auch gleich effiziente Prozessorstrukturen wachsen, auf jeden Fall bessere als den x86er)...

... oder man erspart sich den Mist und verwendet eine IDE!

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25
Jan
2008

Null Toleranz bei der Einschränkung der Menschenrechte

Gestern musste ich auf heise lesen (Artikel), dass die Verfahren gegen die vermeintlichen 500 KiPo-Konsumenten, die die Polizei im Rahmen der "Operation Himmel" ausgeforscht haben wollte, wieder fallen gelassen werden mussten.

Gut für die Verdächtigen; gutes Zeichen für die Realitätsnähe der Staatsanwaltschaft.

Weniger gut lässt die Aktion der Polizei dastehen - andererseits mag man argumentieren, dass die Ermittler unter Erfolgsdruck stehen und Fahndungsergebnisse brauchten. Somit wurde eben auf nebulöseren Verdacht als gewöhnlich gehandelt, weswegen die Beweislast sich nicht als wasserdicht erwies.

Noch viel schlechter allerdings erscheinen in diesem Licht die Medien. Sie haben die Nachricht von der Festnahme von 500 abscheulichen Perverslingen, denen man sowieso besser alle Extremitäten abschneiden sollte, bevor man überhaupt weitere Ermittlungen anstellt, aufgebauscht ohne Ende.

Der Spiegel schrieb von einem "riesigen Kinderporno-Skandal", MDR vom "größten Fall von Kinderpornografie in Deutschland" (Spiegel Artikel, MDR-online Artikel).

Und wie sieht die Berichterstattung aus, nachdem sich die Vorwürfe gegen die Betroffenen letztlich als weitgehend haltlos erwiesen haben? Kaum was zu lesen, auf jeden Fall geht die Meldung im allgemeinen Blätterrascheln über aktuellere Skandalmeldungen unter.

Nicht so schlimm, mag man sich denken. Doch hier sollte man die Verfechter rigoroser Sicherheitsbestimmungen am eigenen Schopf packen:



(Youtube-Video als Link)

Ich halte es mit Angela Merkel - die Aktion wurde medial aufgebauscht und anschließend für die weitere Einschränkung der Grundrechte missbraucht - man darf nicht sagen, ist doch nicht so schlimm. Hier ein paar Hausdurchsuchungen gemacht, dort einen Bundestrojaner durch den Reichstag gepeitscht. Immer so unter dem Motto: "Ist alles nicht so schlimm". Ist alles nicht nach dem Recht auf Privatsphäre und persönliche Freiheit und wer einmal eine Einschränkung des Grundrechts duldet, der kann anschließend nicht mehr begründen, warum's irgendwann schlimm wird und irgendwann nicht so schlimm ist - deshalb null Toleranz bei der Einschränkung der Menschenrechte, meine Damen und Herren.

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14
Jan
2008

Radikale Hassprediger

Im Interesse der Sicherheit und des friedlichen Zusammenlebens bin ich strikt dafür, radikale Hassprediger sofort abzuschieben.
Jene Gruppen, die Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit bedrohen und das friedvolle Zusammenleben in Österreich in Frage stellen, sollten unserer Gesellschaft verwiesen werden.

Das stellt uns aber vor ein Problem: Welches Land könnte Susanne Winter und HC Strache aufnehmen wollen? Usbekistan, Bangladesch und Burkina Faso wiesen auf Anfrage auf ihre Zuwanderungsbeschränkungen hin, die ein Minimum an Verständnis komplexer Sachverhalte und Lesekompetenz fordern.
Warlords aus Afghanistan bekundeten, sie würden sich der beiden Sozialfälle annehmen, da der Islam Solidarität mit geistig Schwächeren zeige (aufgrund ihrer besonderen Eignung für gewisse taktische Operationen), doch würden sie nicht wissen, was Susanne Winter mit Jungfrauen anstellen würde.

Bleiben auf der Erde nur eine stark eingeschränkte Anzahl an Orten zur fachgerechten Entsorgung des Politsondermülls - leider nimmt die NASA ihr Mondprogramm erst in einigen Jahren wieder auf und die Menschenrechte schützen auch jene, die sie eigentlich abschaffen wollen.

Immerhin dürfen sich Kommunisten und andere Gleichheitsfetischisten einer Tatsache erfreuen: Heutzutage darf sich auch schon der Bodensatz des Proletariats, bar jeglicher intellektuellen Grundlage, als Provokator versuchen und wird von den Medien wahrgenommen. Und das nicht mal nur aus Mitleid. Keine Schlagzeile à la "Geistig Verwirrte erregt mit zusammenhanglosen Sätzen Aufsehen". Keine Männer mehr mit weißen Westen. Na das ist ja immerhin auch schon was.

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10
Jan
2008

Zum Trojaner wie in Ritter der Kokosnuss...

... und nicht zur erfolgreichen List wie in dem glorifizierten trojanischen Krieg droht der Bundestrojaner zu werden. Die Schadsoftware soll nunmehr auch bei Verdacht auf Kinderpornographie (und bald wohl auch bei Diebstahl, übler Nachrede, Falschparken...) eingesetzt werden. Eine äußerst humorvolle und treffende Zusammenfassung der oft geäußerten Kritik an der Effektivität des Trojaners fand ich heute bei Götz Wiedenroth:

Bundestrojaner-Karikatur

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5
Jan
2008

Überzeugungsarbeit

Helge schreibt in seinem Blog über das alte leidige Problem in der Überzeugungsarbeit bei Verwandten und Bekannten, die einem den schwer lastenden Amboss des Nichts-Zu-Verbergens-Killerarguments an den Kopf werfen. Aufgrund der Geradlinigkeit und der intuitiven (naiven) Richtigkeit des Arguments, weiß man im ersten Moment in der Regel nicht, was man sagen soll.

Das Video und die hinzugefügten Punkte auf helge.at liefern prinzipiell schon ganz gutes Material; dennoch möchte ich bei noch ein paar Argumente hinzufügen, die bei mir immer relativ erfolgreich waren:
  • Im echten Leben bekannte Personen für Problemschilderungen wählen: Habt ihr vielleicht einen unsympathischen und offensichtlich inkompetenten Nachbarn/Bekannten, der zufällig bei der Polizei ist? Der eignet sich immer gut, um danach zu fragen, ob man es denn gern hätte, dass der aus Spaß ohne richterliche Genehmigung im Privatleben herumschnüffeln kann, um abends am Stammtisch Klatsch über die Familie zu verbreiten.
  • Nicht abstrakte Diskussionen über informationelle Selbstbestimmung führen, sondern konkrete Beispiele bringen: Bezüglich Datenschutz bringe ich gern das Beispiel von facebook, wo Benutzer sehen konnten, was ihre Buddies so eingekauft haben. Die Geschichte der Verlobten, die vom Eheringkauf ihres zukünftigen Gatten über facebook statt von ihm erfuhr ist immer reichlich illustrativ und sorgt für Erstaunen auch bei den Nichts-zu-verbergern (siehe Kommentar in Groundswell-Blog)
  • Blindes Vertrauen in "die Behörden" anhand von tatsächlichen Negativvorfällen untergraben: Man braucht nur mit der "Wiener Polizei" beginnen (wollt ihr, dass die willkürlich bei euch rumschnüffeln, so korrupt wie die sind), oder mit verlorenen CDs oder USB-Sticks bei diversen Behörden in Europa argumentieren.
  • Extreme hypothetische Überlegungen ins Spiel bringen: Zum Beispiel kann man die Verwandten fragen, ob sie es gern hätten, wenn am schwarzen Brett der Gemeinde/des Gemeindebezirks ihr Haushaltseinkommen, die Fernsehsendungen die sie so schauen und die Zeiten zu denen sie schlafen, ausgehängt werden. Wenn sie meinen, die Überwachungsmaßnahmen wären doch nicht dazu da, kommt mit Missbrauchsfällen, wie sie von helge zitiert werden und mit allgemein anerkannten Sprüchen, wie "Wehret den Anfängen".
Klar, das ist tiefster Populismus... aber ich kann aus Erfahrung bestätigen: Bei der erwähnten Personengruppe wirkt es besser, als vieles, was ich vorher probiert hatte.
Und wenn man erst einmal einen gewissen Humusboden an Daseinsberechtigung für die eigene Argumentation geschaffen hat, kann man immer noch tiefer gehende Auswirkungen und Fakten der Totalüberwachung diskutieren!

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